– h o t )-( s p o t –

endlich & ewig
2000

©opyright Iris Hoth

 

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Der alte Tag ruft seine Brüder.
Noch einmal steht die Galerie
der ausgedienten Könige Spalier.

Im Fortgehn stumm,
doch in den Höhlen flüstern die
gleichmütigen Gesellen.

Die Stunde schmiegt sich in das Jahr,
fremd und schon vertraut,

und flüstert ihren Siegeszug
auf die müde Haut.

 
 
 
 
Versteigerung

Später werden sie sagen,
ich sei immer eine von ihnen gewesen.
Sie werden das Holz schwärzen,
den Mond bleichen
mit ihrem Gesang,
die Witwen des Galan.
Sie werden wachen und beben
bis Sonnenauf-, Monduntergang.

Später werden sie schauern.
Die Braut – entschleiert –
schimmert zwischen Silberglanz
und Wehgeklage,
das weiße Dromedar.
Vom Haus ein Banner,
auf der Straße
bei Sonnenauf-, Monduntergang die Schar

der liebend Ungeliebten,
Sündlose im Pferch,
Untote auf dem Markt.
Sie werden mein Laken spannen,
nach meinen Locken fingern,
meiner Seele, meinem Fleisch.
Schließlich werden sie sagen,
ich sei immer eine von ihnen gewesen.

 
 
 
 
neues Gedicht

Ist Haar, ist Hast
Ist Gesterngespenst
Ohm der Temperamente
Ist Haut, ist fast
eine transparente

Morgensonne?

Ist Bein, ist Strang
Ist geläufige
Zielverweigerin
Ist Herz weder Drang
noch transzendente

Scheibenwischer?

Ist Hals über Kopf
täglich permanente
Sterngedeutete
behaart Behäutete
Ist Joch, ist Scham latente

Drehzahlmesser?

 
 
 
 
Weiß nicht warum
Dichter so gerne den Mond zitieren.
Weiß nicht wie
er Liebestifter ist.
Um zwölf stand er rund am Himmel
und regte keinen Wolf.
Von der Eule habe ich sagen hören,
die im Eichwald wohnt,
sie ziere nachts seine Sichel.
 
 
 
 
Sie vergeudet Lebenslinien,
backt keinen Mutterkuchen.

Stattdessen stanzt sie
Absatzlöcher ins Parkett
der Taggeschäfte.

Abends taucht sie
in die Dämmerung,
wie der Wal ins Meer.

Schläft unter dem Riff der Wolken,
kann nicht verloren gehn.

 
 
 
 
endlich & ewig

Hast du endlich die Segel gehisst?
Sieh doch, wie der Wind bläst,
wie er dem Hund das Fell zaust
und dem Vogel das Gefieder.
Und auf deiner Haut ist
er ein kaltes Attentat,
ein Ruf vom Grund der Ewigkeit.

Er rief wie oft, und wie oft, immer wieder
bist du ihm nicht gefolgt?
Glaubst du, du könntest ewig
im Hafen dümpeln und im Hafen Sterne jagen?
Hör doch! den Ruf des Windes.
Wann wirst du die Segel hissen, wann
wirst du es endlich wagen?

 
 
 
 
infiziert

Da war ein Lächeln,
das die Oberhand gewann.
Da war ein Funke und dann
eine Sekunde Zeitstillstand.

Seither nisten die Strolche
im weichen Fell,
und der Albatros
spreizt die Schwingen.

 
 
 
 
Noch einmal

Noch einmal in die tiefen Schatten.
Noch einmal Tage wie Dämonen sehn.
Noch einmal den Schmerz erzwingen
und von ihm den Tod erflehn.

Sag, Schwesterchen, warum
wir nicht an weiten Stränden,
am blauen Meer spazieren gehn.

Noch einmal stürzt du in das Schweigen
und schaltest deine Schreie stumm
und lebst als Zombie zwischen all den Fratzen.
Sag, Schwesterchen, warum

lassen wir nicht Drachen fliegen
und schaun den Wolken zu
und lachen uns krumm?

Schau, Schwesterchen, die Schäfchen
da oben, endlos an der Zahl.
Noch einmal müde den Gedanken,
den ersten abseits deiner Qual,

fassen und an seinem Faden hangeln,
zurück ins Leben
noch einmal.

 
 
 
 
bengalisches Feuer

Heute heißt du Leo,
weil du blond bist wie der Löwe
und seine grünen Augen hast.
Die liebe ich dir braun.

Und deine Hände lieb ich flink und warm
und deine Haare schwarz, du bist
in meinem Wintermärchen
der Maler und der Komponist.

Heute heißt du Leo,
weil du ein König bist und stark
und sanft und schön und...

mit dir endet,
und mit dir beginnt der Tag.

Ich fessle deinen Mut an meine Schwelle,
ich schmiege deine Haut in meinen Traum.
Ich schenke warmen Trost, ich bin
in deiner kleinen Nachtmusik
die Königin.

Eine Fußzeile sind wir im Schummelbuch,
und unsichtbar,
jedoch...

mit dir endet,
und mit dir beginnt das Jahr.

Heute heißt du Leo.
Ich liebe dich wach und dann stumm.
Und von Moll bis Dur und durch die ganze Partitur
lieb ich dich, wir sind
einander vertraut
wie Segel und Wind.

Ich blühe in deinen Händen.
Mantra des Gebets,
der Prinz bist du mit dem Rosenmund,

mit dir endet,
und mit dir beginnt es stets.

 
 
 
 
In der Allee flanieren die Hüte,
und am Brunnen träumt die Stille.
Da stell ich jetzt meine Füße hinein
und schnipse mit den Zehen.

Und schlecke aus der Waffeltüte,
rot und gelb, Kirsch und Vanille,
und lass mich mit den Wünschen ein
die stadteinwärts wehen.