Blue — 2008


Mag sein, dass die Welt ihn als ganz gewöhnlichen Kater erschaffen hat.

Mir hat er eine ganze Welt erschaffen.

 

Blue hat HCM (hypertrophe Kardiomypathie), im Sommer 2007 hatte sich aufgrund dessen bereits ein Lungenödem gebildet.

Blue hat allergisches Asthma und eine Futtermittelallergie. Über lange Zeit litt er dadurch an chronischem Husten und Erbrechen und schlimmen Verdauungsstörungen. Das war die schlimmste und leidvollste Zeit für uns.

Blue hat eine Schilddrüsenüberfunktion. Sie peitscht seinen Organismus an und laugt ihn dabei gleichzeitig aus. Da die SDÜ Hunger macht, hat Blue vor der medikamentösen Einstellung rund 500 Gramm selbst gekochtes Futter am Tag gefressen. Das entspricht etwa einer Dreitages-Ration.

Blue bekommt jede Menge Medikamente. Und jeden Morgen und Abend inhalieren wir miteinander. Da Blue inzwischen nur noch die wenigsten Fertigfuttersorten verträgt, bekoche ich ihn außerdem größtenteils selbst.

Und alles erträgt er tapfer und mit großem Lebensmut. In diesem Kater lebt ein großer, starker Wille. Und ein Vertrauen und eine Liebe, die mich ebenso rühren wie auch erschüttern. So viel Einfachheit und Klarheit, so viel Größe... Was für ein Kater!

 

Außerdem ist Blue ganz gewiss einer der wundervollsten Schlummerkater der Welt.

 

Sicher sieht Blue mich in den vergangenen eineinhalb Jahren mit anderen Augen. Es gibt so viele merkwürdige Dinge, die ich tue und ihm zumute. Und da er den Zusammenhang z.B. zwischen Inhalieren und dem Verschwinden seines Hustens wahrscheinlich nicht kennt, hält er meine Handlungen wohl für eigentümliche Marotten, die man ("Es gefällt mir zwar nicht, was du tust, aber weil du es bist...") in Kauf nehmen muss.

Es ist ja bekannt, dass Menschen mit den Jahren oft etwas wunderlich werden.

 

Fressen, schlafen, kuscheln, träumen und spielen...
Das Leben ist lebenswert!

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Blue mit seinen neuen Tageskontaktlinsen ;-)

 

Ziemlich viele Menschen verstehen nicht, warum ich einen solchen Aufwand betreibe um das Leben und Wohlergehen von "Es ist doch nur ein Tier". Dieselben Menschen würden sich vermutlich weniger wundern, würde ich allwöchentlich mein Auto waschen und polieren.

Dabei bin ich mir eigentlich sicher, dass kein Mensch, der ein Wesen liebt, etwas Anderes tun würde als eben dies: Sich nach seinen besten Möglichkeiten zu bemühen.

So oft man vielleicht auch darüber grübelt, ob es zu viel oder zu wenig Bemühen ist. In der Praxis stellt sich die Frage nicht, denn...

Wenn ich weiß, dieses Medikament hilft Blue... dann kann ich es ihm nicht nicht geben.
Wenn ich weiß, Fertigfutter quält ihn... dann kann ich nicht nicht für ihn kochen.
Wenn es eine Chance gibt, sein Leben und sein Wohlergehen zu erhalten... dann kann ich es nicht nicht versuchen.
Und wenn von allem gar nichts hilft, dann werde ich es wissen.

Hat er schon immer so lieb geschaut?

 

Weil alle Krankheiten, mit denen Blue geschlagen ist, noch nicht ausreichen, erlitt er im September/Oktober 2008 auch noch einen hochgradigen Ikterus mit ungeklärter Ursache.

Der Ikterus kündigte sich mit einer Nacht ständigen Erbrechens, völliger Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit und hohem Fieber an. Da wusste ich natürlich noch nicht, dass Blue einen Ikterus hatte. Von der Tierärztin bekam er Infusionen, ein Antibiotikum und einen Fiebersenker. Ich kämpfte gegen das Fieber außerdem mit Prießnitzwickeln an.

 

Die Maßnahmen halfen zunächst. Und Daleth fand Blue mit seinem Schal sogar ausgesprochen fesch.

Überhaupt haben die beiden Mädchen sich in diesen Tagen und den beiden schweren Wochen, die sich anschlossen, vorbildlich verhalten.
Sie haben nach Blue geschaut, ohne ihn zu bedrängen. Daleth war zärtlich und tröstlich an meiner Seite, ebenfalls ohne mich zu bedrängen.

In den Tagen darauf wurde es allerdings wieder viel schlimmer, weshalb ich mit Blue in eine Tierklinik fuhr. Dort wurde der Ikterus entdeckt, Blue wurde behandelt, aber die Ärztin machte mir keine Hoffnung.

Ich nahm Blue mit nachhause in dem Wissen, dass sein Leben am sprichwörtlichen seidenen Faden hing... und unternahm alle Anstrengungen, deren ich fähig war. In allererster Linie bedeutete das, Blue mehrfach täglich mit Futterspritzen zu füttern, denn von selbst rührte er keinen Happen an.
Außerdem habe ich mich schlau gelesen und alle zugänglichen Wissensquellen angezapft und Blue – über die Verordnungen der Ärztin hinaus – in alle Richtungen behandelt, die als Auslöser eines Ikterus in Frage kommen.

Nach einer bangen Woche leckte Blue erstmals wieder an seinem Futter. Einige Tage später fing er wieder richtig zu fressen an.

 

Es gibt Tage, an denen geht es Blue nicht gut. Und es gibt andere, an denen für ihn das Leben voller Highlights ist. Er nimmt es, wie es kommt. Und so halte ich es auch.

Er mag es, dass die Mädchen um ihn sind. Er schaut ihnen gern beim Spielen zu, und manchmal spielt er mit. Manchmal teilt er sich sogar mit Daleth meinen Schoß, wenn ich auf dem Sessel sitze. Das ist so viel Katzenglück, da darf ich mich nicht rühren.

 

– – – ENDE – – –

 


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